Rotwein nach der Leichenöffnung

Redakteur

Neues Volkstheater Fläming hat neue Premiere gefeiert

Weg ist sie, die Leiche. Dabei hatte Hausmeister Keimling – gespielt von Daniel Geißler – sie gerade erst im Treppenhaus entdeckt. Als Keimling – später auch scherzhaft Saatgut genannt – vom Telefonieren zurückkommt, ist die Leiche verschwunden. Die Suche beginnt. Damit nahm die amüsante Krimikomödie „Eine Leiche auf der Flucht“ von Horst Helfrich ihren Lauf. Die Laienschauspielern des Neuen Volkstheaters Fläming haben das Stück am Freitag als jüngste Eigenproduktion sehr authentisch auf die Bühne des Kulturhauses Niemegk gebracht. Tatjana Blacher führte Regie.Geblieben ist nur ein roter Fleck, der aber bei den Bewohnern des Mietshauses genug Stoff für allerlei Spekulationen bietet. Entsetzt nehmen die Mieter des Wohnhauses die Nachricht zu nächtlicher Stunde auf und stehen in ihren Schlafanzügen, Nachthemden und Bademäntel Parade. Mord im Treppenhaus! Nur die krimiversessene Bibliothekarin Petita Popp (Carola Hausig) kann ihr Glück nicht fassen, einen Fall in der Praxis zu erleben.

Das Publikum im ausverkauften Saal verfolgte die Ermittlungen des schussligen Kommissars Kümmel in dem Irrenhaus aufmerksam.  Christian Pietrucha findet – mit kriminalistischen Gespür aus ähnlichen Stücken – einmal mehr eine Paraderolle für sich. Nur mit seiner Assistentin Fritzi Kulke (Sandy Boldt) ist ihm offenkundig nicht der große Wurf gelungen. „Es denken nur die Vorgesetzten!“, ist Kümmels Leitspruch. Seine Verhörtaktik wird nur durch Berta Vogelkorn beschleunigt. Jutta Linthe ist die Rolle der Tratsche im Treppenhaus auf den Leib geschnitten, kann sie doch – in der Manier von scharfzüngigen Else Kling aus der „Lindenstraße“ – manch zweifelhafte Verbindungen unter den Mietern ans Tageslicht bringen. Sie ist es auch, die Hinweise auf den Täter gibt, in dem sie unter anderem sagt: „Es muss ein Mann gewesen sein, Frauen vergiften!“ Herrlich anzuschauen sind auch Vogelkorns verbale, kriminalistische Verdächtigungen gegen Bastian Guckelrock (Hans-Joachim Linthe) – die Szene hat das Paar im richtigen Leben zu Hause bestens proben können! Bei den knallharten Ermittlungen sorgt Ava Milko (Doreen Schumann) mit „ihren ersten Schriftsteller“ Phil Cassner (Hartwig Matthäs) für prickelnde Erotik auf der Bühne, wobei sie dabei wertvolle Erfahrungen aus einem vorherigen Stück schöpfen kann.

Kommissar Kümmel hat es nicht einfach. Trotzdem bekommt er mit Kulke wohl alle Geheimnisse des Hauses heraus, wer wann bei wem in der Wohnung war. Und dass Frau Popp, die Kleidung für notleidende Bibliothekare sammelt und  im Second Hand Shop ihr Einkommen aufbessert. Als ein Kleidungsfussel Hoffnung auf die Aufklärung des Falls gibt, untersucht Kümmel sogar die Mäntel der Mieter und offeriert eine zweite Modenschau auf der Bühne.

Viel Situationskomik, unerwarteter Verwicklungen und 14 Schauspieler fesseln das Publikum auf ihren Stühlen. Es blieb kein Auge trocken. Allerdings kommen die Akteure der Lösung des Falles nicht so recht näher, bis sich zum Schluss alles auflöst: Ein Medizinstudent (Denny Hausig) hat seine erste Leichenöffnung mit reichlich Rotwein gefeiert. Der angebliche Blutfleck ist ein Rotweinfleck. Und die angebliche Leiche hat sich berappelt und ist nach Hause gegangen.

Die Niemegker Laienschauspiel haben unterhaltsames Volkstheater geboten, ihre Rollen sehr überzeugend charismatisch und mit Herzblut auf der Bühne umgesetzt. Macht weiter so!

Es spielten: Christian Pietrucha, Sandy Boldt, Jutta Linthe, Daniel Geißler, Hans-Joachim Linthe, Anita Matthäs, Verena Anhalt, Doreen Schumann, Hartwig Matthäs, Regine Pietrucha, Beate Ulrich, Carola Hausig, Denny Hausig und Renate Puhlmann. Für Technik und Bühnenbau zeichnet David Anhalt verantwortlich, Regie und Bühnenbildentwurf liegen in der Hand von Tatjana Blacher.

Weitere Aufführungen sind am 6./7. November, jeweils 20 Uhr, im Kulturhaus Niemegk, Kartenvorbestellungen unter Tel. (033843) 926910, in der Drogerie Pulz, Niemegk, Tel. (033843) 51341; und in der Tourist-Information Bad Belzig.

 

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