Investiert Niemegk in ein „Schloss“ oder einen „Schuppen“?

Silvia Müller-Scholz

Bärbel Schüler probte zum Awo-Familienzentrum den Aufstand

Während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung hat Bärbel Schüler (Freie Wähler Niemegk) zum geplanten Ausbau des ehemaligen  Hortes (kleine Schule) zum 440.000 Euro teuren Awo-Familienzentrum den Aufstand geprobt. Die Frührentnerin stellte das Vorhaben in Frage und plädierte stattdessen für einen Verkauf der Immobilie samt benachbartem Boss-Schulküchenobjekt. Bärbel Schüler möchte nicht, dass sich die Stadt dort „ein Schloss“ baut, obwohl sie seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten steckt und mit Kita, Schule, Freibad sowie weiteren Objekten genügend Verpflichtungen habe. „Ich bin dafür, dass wir das erhalten, was wir haben“, gab sich Bärbel Schüler fürsorglich. Die Sanierung der Schule sei noch nicht einmal fertig, da sollte sich die Kommune kein weiteres Projekt vornehmen, bei dem sie voraussichtlich 104.000 Euro allein aufbringen muss. Die Stadträtin meinte, dass das Familienzentrum besser in die Großstraße 61 ziehen sollte.

Hans-Joachim Urmann (Die Linke) teilte grundsätzlich die Meinung der Vorrednerin. Für so viel Geld könne man einen Neubau bauen, statt in einen „Schuppen“ zu investieren. Daraufhin erinnerte Reyk Schulz etwas genervt, dass das Projekt bereits in zwei Fachausschüssen diskutiert wurde, aber vom Verkauf der Immobilie nicht einmal die Rede gewesen ist. „Solche Gedanken sollten bitte vorher gesagt werden, nicht erst in der SVV“, mahnte Reyk Schulz. Vor dem Hintergrund plädierte er das Thema in die Ausschüsse zu vertagen, um dann mit reger Teilnahme der Räte das Thema neu zu diskutieren. Dagegen sprach aber, so hieß es, dass ein Grundsatzbeschluss dringend notwendig ist, um das Projekt voranzutreiben und die in Aussicht stehenden Fördermittel zu sichern.

Barbara Keller vom Awo-Familienzentrum sagte, dass das Gebäude – so wie es steht – nutzbar wäre. „Aber die Brandschutzauflagen stehen dem dagegen“, sagte sie. Für die Umsetzung des Projektes spreche ihrer Meinung nach, dass gut 300.000 Euro aus EU-Fördermitteln zu erwarten seien. Der städtische Eigenanteil von 100.000 Euro könne sich auf 30.000 Euro verringern, wenn ein Zuschuss aus dem Kreisentwicklungsbudget fließt.

Amtsdirektor Thomas Hemmerling argumentierte, dass das Hortgebäude das letzte brachliegende, kommunale Gebäude sei. Es wurde nur temporär für die Schule genutzt. Der Ausbau zum Familienzentrum – mit der Integration der Stadtbibliothek – ermögliche der Stadt anschließend, die Großstraße 61 zum Verkauf anzubieten. „Und die Lokale Aktionsgruppe hat das Vorhaben als bestes Projekt bewertet“, sagte er. Sollte der Finanzierungsplan so aufgehen, könne wirklich keiner etwas gegen das Familienzentrum haben.  Vorgesehen ist, dass das Amt Niemegk Träger der Gemeindesozialarbeit wird und die neuen Räume als Mieter bezieht.

Während des Umbaus soll der quer zur Straße der Jugend stehende Gebäudeteil abgerissen werden. Parallel plant die Firma Boss die Schulküche zu modernisieren. So sind Elektroarbeiten vorgesehen, im Speiseraum soll der Steinfußboden verschwinden.

Sogar Kämmerin Angela Hertel sprach sich für das anvisierte Projekt aus, weil Fördermittel in solcher Höhe nicht immer zur Verfügung stehen. Die Finanzchefin würde es schade finden, wenn eine Umsetzung jetzt scheitere, weil die Großstraße 61 keine Alternative darstelle. Das Familienzentrum habe Platzmangel und auch die Amtsverwaltung benötige die Räume, die jetzt von der Gemeindesozialarbeit in Anspruch genommen werden.

Der Antrag von Bärbel Schüler, das Objekt zu verkaufen wurde mehrheitlich abgelehnt (1 Ja-Stimme, 5 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung). Dem Beschluss zur Beantragung von Fördermitteln für den Ausbau des Familienzentrum wurde mehrheitlich zugestimmt (5 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen).

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