Superstar, Omis und ein Lord

Herbert Moritz

Niemegk erlebt einen Kracher auf der Kulturhausbühne

Die Doppelpremiere des Neuen Volkstheaters Fläming mit dem Jugendstück „Der Fläming sucht den Superstar“ und der Komödie der reiferen Jugend „Der Urlaub“ hat zwei außergewöhnliche Glanzpunkte im ausverkauften Kulturhaus Niemegk gesetzt. Das Publikum sah die in Vorbereitung und Umsetzung aufwändigsten Eigenproduktionen seitdem Laienschauspieler im Flämingstädtchen auf der Bühne stehen. Sowohl das Jugendstück als auch das Stück der inzwischen berühmten „Niemegker Omis“ – sie hatten ihren vierten großen Auftritt –  waren als unterhaltsames Volkstheater mit kurzweiligen Überraschungen inszeniert, die das Publikum mit viel Applaus honorierte. Dessen Augen fielen auch auf die Kellnerinnen, die passend zum zweiten Stück in Schottenröcken servierten. Bravo, bravo!

Drehbuchautor und Regisseur Christian Pietrucha und die künstlerische Leiterin, Verena Anhalt, hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um für die „Suche nach dem Superstar“ den Teenagern, Dorothea Müller (Sandy), Klara Schumann (Josephine), Marvin Miedzianowski  (Mario) und Pauline Riechers (Tessa), Laura Senst (Susann) unterschiedliche Charaktere auf den Leib zu schreiben  (weitere Rollen Tabea Loose/Jurorin und Verena Anhalt/Barfrau). In einer Mischung aus Film und Theater ist das bestens gelungen. Jeder Darsteller schnupperte in eigenen Rollen ins Showgeschäft rein – insbesondere in die zahlreichen Casting-Shows.  Christian Pietrucha hat es sehr gut verstanden, Szenen aus vorherigen Eigenproduktionen ins Geschehen einzubinden, quasi als Hommage an die Aufführungen vergangener Jahre. Die treuen Niemegker Theaterfans – die mit dem Anrecht auf die besten Plätze 🙂 – erkannten schnell die legendären Stücke „Mord in der Waschküche“ (2011), „Schneewittchen“, „,Willige Hausfrau hat Vormittags noch Zeit“  (2010)  und „eine Leiche auf der Flucht“ (2015). Am Ende unterliegt Marvin Miedzianowski zwar zunächst den trügerischen Versprechungen eines Managers (Christian Pietrucha), erkennt er die Skrupellosigkeit der Medien und zieht die Reißleine. Er wird Kaffeeverkäufer bei Starbucks.

 

 

Zur Darstellung der Charaktere hat Christian Pietrucha als Mittel einen selbst gedrehten, aufwändig produzierten Film eingebunden. Allein 30 Stunden Dreharbeiten und mindestens noch einmal so viel Zeit war für den Schnitt und die Vertonung notwendig. In dem Streifen haben die Spielorte einen bemerkenswerten Wiedererkennungswert. Ob bewusst oder unbewusst – das bleibt ein Geheimnis – gab es einen Seitenhieb auf den noch immer im Bau befindlichen BER-Flughafen. Der Regisseur musste in Berlin-Schönefeld drehen, um seine Schauspielfigur Mario tatsächlich nach Italien zu schicken. Der Zuschauer erkennt sonst leicht die anderen, etwas grotesk wirkenden Drehorte, wie das Kulturhaus, das Büro der Christ-Chat-GmbH oder einen Bauernhof in Kuhlowitz.

Nach der Pause überraschte das Neue Volkstheater Fläming in der weiteren Premiere „Der Urlaub“ gleich zweimal: Die Niemegker Omis waren auf der Bühne so agil, wie noch nie. Und sie spielten vor einem Bühnenbild, das bei den bisherigen Eigenproduktionen seinesgleichen sucht.  David Anhalt, Erwin Penner (malerische Arbeiten) sowie Hartwig Matthäs und Christian Pietrucha (Helfer) haben etwa 80 Stunden das Design von Tatjana Blacher aufgegriffen und meisterhaft in eine Kulisse einer schottischen Festung mit stimmungsvollen Lichtinstallationen umgesetzt.

Niemegks Omis wollen verreisen. Da sich Mithilda (Verena Anhalt), Thea (Carola Hausig), Frieda (Anita Matthäs) und Martha (Regine Pietrucha) nicht einigen können, wohin die Reise gehen soll, lassen sie den Zufall entscheiden. Statt auf Sonne, Strand und Meer fällt das Los auf Schottland. Die Omis verschlägt es auf eine Festung, auf der sie von Lord Albee (Sven Schüler) fürsorglich umsorgt werden. Aber in der Burg spukt es und plötzlich dreht sich wieder alles um die unbedarfte Frieda, von der der Burggeist von Lady Albee (Doreen Schumann und Christian Pietrucha) allmählich Besitz ergreift, als er um Mitternacht gruselig durch die Burg (den Kulturhaussaal) zieht. Frieda ist einmal nicht verwirrt, vermisst ihre Katze namens „Muschi“ nicht und verblüfft alle anderen Omis. Alles wird am Ende  gut, Matilda erlöst die Geister und Frieda ist wieder die Alte.

In der Regie von Tatjana Blacher bringen die Laienschauspieler eine perfekte Komödie, einen wahren Kracher ins Kulturhaus, der nur einen Schluss zulässt: Niemegks Omis gehören nicht an den Herd oder auf die Ofenbank, sondern auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Vier Omis haben das schon erfolgreich umgesetzt. Sie sind – zusammen mit dem Jugendtheater – noch einmal zu erleben, am 29./30. April, jeweils 20 Uhr, im Kulturhaus Niemegk.

Die besten Sitzplätze im Großen Saal des Kulturhauses Niemegk lassen sich nur im Vorverkauf sichern. Die Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf  für 10 Euro bei der Drogerie Pulz, Tel. 033843/51341, Tourist-Information Bad Belzig, Tel. 033841/3879910 und  beim Neues Volkstheater Fläming, Tel. 033843/926910. An der Abendkasse kostet die Karte 12 Euro.

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