Bader, Richter und eine Puffmutter

NiemegkReporter

Stefan Pirnack gab einen Einblick in neue Erkenntnisse der Stadtgeschicht

Stefan Pirnack hat am Donnerstagabend einen interessanten und aufschlussreichen Vortrag über die Geschichte unserer Stadt Niemegk gehalten. Stadtbibliothekarin Heide-Marie Grünthal hatte den pensionierte Lehrer und letzten Gesamtschulleiter Niemegks in die Bücherei, Großstraße 61, eingeladen, weil  er sehr emsig in Archiven über die Geschichte seines Heimatstädtchens forscht und seine Erkenntnisse in Broschüren mit sehr kleiner Auflage zusammenfasst. Der Einladung waren zudem 35 Interessierte gefolgt. Die Stühle in der Stadtbibliothek reichten nicht aus, zusätzliche Sitzgelegenheiten wurden von der Familie Grünthal und vom Wirt Christian Marthe zur Verfügung gestellt.

Stefan Pirnack sagt, dass sein Interesse für Geschichte geweckt wurde, als er einmal alte Briefe seines Großvaters fand. Da sie schwer zu lesen waren, packte ihn der Ehrgeiz, die Schriftstücke zu entziffern. Später widmete er sich alten Schulakten, worunter sich Visitationsprotokolle befanden in denen hervor ging, dass sich Reformator Martin Luther immer wieder in Niemegk „eingemischt“ hat.

Zu Beginn des Vortrages ging Stefan Pirnack auf die Ausgrabungen in  der Bahnhofstraße 45 (ehemals PGH Elektro Niemegk) im Frühjahr 2017 ein (Ötzi-Fotos hier/Niemegk bloggt berichtete). Nach Angaben von Dr. Uwe Müller von der Firma  Archäo Kontrakt Berlin soll es sich um Knochenteile aus dem frühen 13. Jahrhundert handeln. Sie deuten neben Sargnägel und Tonscherben auf ein Gräberfeld bzw. den ältesten Friedhof der Stadt hin – also damals, als die erste Besiedlung stattfand.

Bei seinem Streifzug durch die Geschicht berichtete Stefan Pirnack, dass Niemegk frühzeitig schriftsässig war. Bei der Gründung der Stadt hatte Niemegk alles was, eine Stadt ausmachte – z. B. Bader, Pastor, Bürgermeiste, Richter, Nachtwächter, Stadtmauer, Zolleintreiber, Wehenmutter, Hospital, Ziegelei, Uhr (Seiger) und sogar einen Puff – „ein liederliches Haus“ (Bordell). Dieses befand sich in der Rosenstraße. Die Dame zog die Soldaten zu sich, nach dem ihr Mann gestorben war.

Im Laufe seines Vortrages ging Stefan Pirnack auf die verschiedensten Themen ein – das Vererbungsrecht, die Entstehung des Namens und die Anzahl der Kirche. Nachweislich drei Kirche sind in Niemegk benannt – die Johanniskirche, die Nicolauskirche und die Kirche „Unserer Lieben Frauen“. Letztere stand im Altdorf (heute Altdorfer Weg / Industriegebiet bis etwa Bahnhofstraße 45), das einst eine wichtige Rolle eingenommen hat. Das sogenannte Kloster war immer eine Kirche und ist die älteste oder früheste der Stadt.Sie gehörte wahrscheinlich zu einer Kaufmannssiedlung, welche in der Hauptsache durch die Großstaße bis zur Ecke Schul- und Mittelstraße gebildet wurde (siehe Bild mit Hans-Jürgen Esser).

Heide-Marie Grünthal bedankt sich beim Redner und bemerkte, dass er die Zuhörer „süchtig“ nach mehr Historie gemacht hat. Möglicherweise gibt es eine Fortsetzung.

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