Hausverbot für Niemegks Bürgermeister Linthe

NiemegkReporter

„Letzter Zug“ im Kulturhaus „abgefahren“ / Jahrelanger Konflikt zwischen dem Unternehmer Pietrucha und dem Stadtchef findet seinen Höhepunkt

Ein langjähriger Konflikt in Niemegk hat jetzt seinen Höhepunkt gefunden: Unternehmer Ulrich Pietrucha hat Bürgermeister Dr. Hans-Joachim Linthe (SPD) Hausverbot in allen seinen Objekten ausgesprochen (Videoausschnitt zum Theaterstück „Champus-Express“ – A. Linthe als Schaffner ). Damit darf das Stadtoberhaupt nicht mehr das Kulturhaus betreten, in dem er seit vielen Jahren als Laienschauspieler des Neuen Volkstheaters Fläming mitwirkt. Linthe darf ebenso keinen Fuß mehr in die Wohnhäuser (-blöcke) in der Straße des Fortschritts, Schulstraße, Pfarrstraße und Großstraße 56-58 setzen, die im Besitz der Familie Pietrucha sind. Das Hauverbot gegen den Bürgermeister umfasst auch den Geschäftssitz in der Großstraße und das rund 45 Hektar große Tontagebaugelände, das die Christ Cat GmbH betreibt.

Weder Linthe noch Pietrucha haben über Jahrzehnte keinen Hehl daraus gemacht, dass sie sich grundsätzlich nicht riechen können. Der Konflikt schwelte und wurde von beiden Seiten bei passender Gelegenheit aufgewärmt. Doch als Ulrich Pietrucha jetzt im städtischen Fachausschuss berichtete, dass wieder Bewegung in die Rekultivierung des Tontagebaues kommt, brachte der Bürgermeister mit seiner Reaktion den Unternehmer zur Weißglut. „Seit seiner Wahl zum Bürgermeister hat er mit uns kein Gespräch gesucht“, wettert Ulrich Pietrucha. Stattdessen äußere Linthe gegenüber der  Lokalzeitung wider besseren Wissens Skepsis. „Die Stadt Niemegk müsste meinem Sohn Christian und seiner Engelsgeduld dankbar sein, dass er bei den Verhandlungen  mit dem Bergamt  den jüngsten Erfolg erzielt hat“, sagte der Unternehmer heute gegenüber Niemegk-bloggt. Nur wenige Kilometer weiter in Neuendorf habe sich ein Unternehmer mit Abfall erst Geld und dann aus dem Staub gemacht. „Wir hingegen stehen zu unserem Wort und wollen die Entwicklung des Tontagebaus für die Stadt Niemegk zu Ende bringen“, erklärt der 73-jährige Seniorchef.

„Was der Bürgermeister in der Zeitung hinsichtlich der Schaffung von 100 neuen Arbeitsplätzen in der alten Ziegelei behauptet, ist einfach falsch“, sagt Pietrucha. Er habe eine alte und marode Ziegelei aus der DDR-Zeit mit 70 Arbeitern übernommen, deren Ziegel nach der Wende keiner mehr haben wollte. „In der Situation 100 neue Arbeitsplätze versprochen zu haben, ist einfach Quatsch“, so Ulrich Pietrucha. Es gebe keinen Schein, von dem Linthe spreche. Pietrucha habe mit Taten für das Wohl der Stadt und seiner Bürger gesorgt, u.a. mit der Wohnungsverwaltung und der Übernahme des Kulturhauses.

Genau bei diesem Ereignis waren Linthe und Pietrucha schon einmal mächtig aneinander geraten, als es um die weitere Nutzung der Kegelbahn des Kulturhauses ging. Der Unternehmer wollte vom Vereinschef Hans-Joachim Linthe  ein kostendeckendes Entgelt für die Betriebskosten haben. Der Kegler hingegen wollte statt der 1000 Euro im Jahr aber nur die Hälfte zahlen, um mit seinen Kegelbrüdern und Schwerstern das Hobby zu frönen, berichtet Pietrucha. „Linthe hat Stimmung gegen mich gemacht und als ich den Sachverhalt gegenüber anderen Keglern aufklären wollte, da fiel mir Linthe ins Wort, dass die Entscheidung gegen die Nutzung der Kegelbahn  gefallen ist“, erinnert sich Pietrucha. Seither wird die Kegelbahn nicht mehr genutzt.

Bürgermeister Hans-Joachim Linthe hat bestätigt, dass ihm Ulrich Pietrucha wegen seiner Aussagen im Zeitungsartikel Hausverbot erteilt hat. Die Erwartung Pietruchas, dass er als Bürgermeistern ihn besser unterstütze, könne er nicht erfüllen. Linthe wiederholte seine Aussagen im Zeitungsartikel und untermauerte seine Aussagen zu den 100 Arbeitsplätzen und der Wiederbelebung des Ziegelwerkes. „Immerhin hatte die Erdgas Mark Brandenburg die Stadt Niemegk weit früher auf Erdgas umgestellt als geplant, weil der Brennofen im Ziegelwerk mit Erdgas befeuert werden sollte“, argumentierte der Bürgermeister.

Zum Streit um den Miet- bzw. Pachtvertrag der Kegelbahn führte der Vereinschef an, dass von Pietrucha neben der Miete auch die Beteiligung an Reparaturkosten des Kegelbahngebäudes vorgesehen hatte. „Darauf wollten wir uns nicht einlassen“, sagte Hans-Joachim Linthe.

Das gegen ihn verhängte Hausverbot will der Bürgermeister grundsätzlich akzeptieren. „Zur Geburtstagsfeier einer Schauspielerin, die im Kulturhaus feiert, habe ich mich schon entschuldigt“, sagte Hans-Joachim Linthe. Er wolle aber die Jubilare, die in Pietruchas Häusern wohnen und vom Bürgermeister zu gratulieren sind, nicht an der Haustür abfertigen. Das Herzblut des Bürgermeisters hängt – auch wenn er es nicht offen zugibt, am Theaterverein und seiner Wirkungsstätte. Dennoch wolle Linthe das Hausverbot solange akzeptieren, bis Eigentümer Christian Pietrucha signalisiert, dass es nicht zutrifft.

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