Heitere Gedichte und Olivenkerne

NiemegkReporter

Dr. Bernd Fredrich porträtierte Robert Gernhardt in einem Vortrag zur Reihe über lyrische, deutsche Hochkultur

„Der Doktor ist wieder da!“, so kündigte Wirt Bernd Moritz in der Fläming-Bibliothek des Gasthofes Moritz am Freitag Bernd Fredrich an. Wer ist denn Bernd Fredrich? – fragen Sie. Das ist der Mann in Rädigke, der gerade erst sein 61. Wiegenfest feierte und in jedem Jahr aufs Neue ankündigt, einen literarischen Vortrag zu halten. Und er macht’s dann auch noch wahr! Bernd Fredrich, der kurz vor seinen Auftritten den Nervenkitzel braucht, mit der Vortragstechnik zu kämpfen, beweist sich kurz darauf als begnadeter, ausdrucksstarker Rezitator, als nach Perfektion strebender Porträtist und Künstler seines Fachs – halt ein Kenner der lyrischen Hochkultur.

Seit 2009 macht er dies nun schon. In seiner einzigartigen Reihe setzt er sich mit bekannten und zum Teil vergessenen Meistern der deutschen, lyrischen Hochkomik der 50-er, 60-er, sowie 70-er Jahre auseinander. Alles begann mit Reimen von Wilhelm Busch. Später standen die Dichter Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz im Mittelpunkt. Die Resonanz war jedes Mal ungebrochen, ein Heinz-Erhardt-Abend folgte. Ebenso setzte sich der Rädigker mit der Biografie von Erich Kästner auseinander.

Diesmal hat sich der Doktor und studierte Molkereitechnologe keinem geringen als Robert Gernhardt (1937 bis 2006) verschrieben.  In seinem nunmehr 8. literarischen Vortrag porträtiert Bernd Fredrich einen Lyriker und Satiriker der deutschen Hochkultur, von dem – so meint zumindest der Vortragsredner – 95 Prozent der Anwesenden noch nie etwas gehört haben. Der Redner konnte – anders als bei seinem vorherigen Vortrag über Eugen Roth – über schier unendliche Daten aus Roberts Gernhards Leben stützen – sie mussten nur ausgewählt werden.

Und so skizzierte Bernd Fredrich sorgsam ausgesucht, die Lebensstationen von Robert Gernhardt, der als Sohn eines Richters und einer Chemikerin in Reval geboren wurde. Die Familie Gernhardt gehörte in Estland zur Minderheit der Deutsch-Balten und musste später nach Posen übersiedeln. Die Familie floh während der Kriegswirren über Thüringen nach Bissendorf und kam später nach Göttingen. Nach Abschluss seiner Schulausbildung 1956 studierte Gernhardt Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und der Akademie der Künste in Berlin sowie Germanistik an der FU Berlin. Seit 1964 lebte er als freiberuflicher Maler, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller in Frankfurt am Main. 1972 kaufte er in der Gegend von Arezzo in der Toskana ein altes Gebäude, wo er fortan viel Zeit verbrachte. 1965 heiratete er die Malerin Almut Ullrich, die 1989 starb. 1990 ging Gernhardt eine zweite Ehe mit Almut Gehebe ein. 1996 musste er sich einer schweren Herzoperation unterziehen. Gernhardt war 1999/2000 Stipendiat am Wissenschaftskolleg Berlin und verbrachte 2006 kurze Zeit als residenter Autor an der University of Warwick in England. Am 30. Juni 2006 erlag er in Frankfurt einer Darmkrebserkrankung (Quelle Wikipedia).

Bernd Fredrich hob den beruflichen Werdegang Robert Gerhardts besonders hervor und gab 45 Gedichte des Lyrikers zum besten. Damit huldigte er Gernhardt als erfolgreichsten Verfasser komischer Gedichte, die in über 50 Büchern im drei Verlagen – jetzt im Fischer Verlag – veröffentlicht wurden. Der Redner streute 45 Gedichte in den Vortrag ein und beschrieb Gernhard auch als Zeichner, Maler und Karikaturist.

Robert Gernhardt liebte das Essen, den Wein, Champagner und Grappa, aber auch die Toskana. Und so erklärt sich, warum Bernd Fredrich zum Vortragsabend im Gasthof Moritz als nette Geste italienische Antipasti servieren ließ. Fein säuberlich waren getrocknete Tomaten, italienische Salami, Pilze, Paprikaschote mit Frischkäse und Oliven mit Kern aufgespießt, um auf den Tischen ein wenig italienisches Flair mitten im Fläming zu vermitteln.

Der Vortragsredner porträtierte Robert Gernhardt auch als Autor/Gründer/Texter  von Satirezeitschriften wie „Pardon“, „Titanic“ und anderen Zeitungen. Er war der Texter für Otto Waalkes, für den er auch die Otto-Bücher schrieb und an den Drehbüchern der Otto-Filme mitarbeitete. Bernd Fredrich fand fast kein Ende in seinen Ausführungen. Erste Zuschauer stiegen schon ins Taxi, um den Zug nach Berlin nicht zu verpassen, da sprudelten die Informationen immer noch….. – nur eine Uhr hätte ihn im Redefluss etwas früher stoppen können.

Unsere besondere Empfehlung: Wiederholung der Veranstaltung am 25. Mai. Wirtin Doris Moritz nimmt gern Vorbestellungen entgegen:

„Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besond’res bin“
Robert Gernhardt – sein Leben in Gedichten
Fläming-Bibliothek im Gasthof Moritz, Rädigke
Tel:033848/60292

FR 25. Mai 2018, 19:30 Uhr
Eintritt: € 7,00 mit kulinarischem Extra

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